Spendenaktionen

Meine Lügerei war erfolgreich. Die Rentner und Mittelständigen dachten, sie würden etwas Gutes tun und spendeten frohen Mutes für meine erdachten Spendenaktionen. Doch nach einigen Tagen gingen die ersten Stornos ein: Die Leute, die die Lottoscheine erwarben, bekamen nämlich eine Bestätigung auf dem Postweg. Das heisst, sie fanden letztendlich doch raus, worum es ging. Nicht alle stornierten, aber es waren genug, um die Finanzabteilung skeptisch zu stimmen. Wegen der Prämie pro Abschluss war auch mein Name immer angezeigt. Ich musste mir also ein neues System ausdenken.

Ich begann damit, dass ich die Adressen der Leute nicht mehr weitergab, sondern mir ausdachte. Die Briefe würden zwar zurückkommen – Empfänger unbekannt – aber immerhin wurde nichts storniert. Die Firma war bedenkenlos genug, um sich nicht darum zu kümmern.

Da ein Spender meistens auch eine Bestätigung – oder ein Dankesschreiben – erwartete, setzte ich meine eigenen Briefe auf. Die Mühe war es mir wert, immerhin hatte ich nur noch 2 Wochen, um gutes Geld zu verdienen und dann abzuhauen. Die Schule würde bald wieder anfangen und dann blieb mir nicht mehr so viel Gelegenheit, einem Nebenjob nachzugehen. Schon gar nicht diesem schrecklichen.

Ich schickte die Briefe mit Hilfe von Akram raus, der in den Büros ein- und ausging, um irgendwelche Reperaturen zu machen. Er klaute Briefmarken aus den Schreibtischen, wir verschickten die Briefe, und er bekam dafür jeden Abend von mir etwas zu essen oder zu trinken ausgegeben.

Es war ein ausgeklügeltes System, und ich fühlte mich besessen von der Idee, noch mehr rauszuholen. Ich telefonierte wie ein Irrer, verbrachte die meiste Zeit in dem Laden, manchmal sogar  von 8 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, so lange, wie die Geschäftszeiten waren. Der Gestank fiel mir kaum noch auf, die Leute konnte ich aus meiner Sicht ausschließen. Frau Kork nervte die anderen- ich war der Superheld des Ladens, brachte jeden Tag mindestens 20 Abschlüsse zustande, schlief kaum noch, weil ich mir immer bessere System ausdenken wollte. Ich sah meine Eltern kaum noch. Ich wurde zu einem Zombie, und egal, wie sehr ich den Bunker hasste, ich brauchte das Geld.

Ich wollte das Geld.

Mir war alles egal.

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